Osterwasser

Bereits der wohlklingende Name Osterwasser verrät, dass es sich bei diesem um etwas ganz Besonderes handeln muss. Dem ist tatsächlich so, handelt es sich doch dabei um das in der Osternacht bei der Tauffeier geweihte, im Taufbecken befindliche Wasser, mit dem die Täuflinge beträufelt werden, wenn sie in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen werden oder ihr Taufgeständnis geben.

Dieses heilige Wasser wird nun das gesamte folgende Jahr über bei Taufen verwendet. Sämtliche Weihwasserbecken werden ebenfalls mit dem Osterwasser befüllt. Auch jenes kühlende Nass, welches früher in der Osternacht oder am Ostermorgen noch weit vor Sonnenaufgang aus dem Fluss geschöpft wurde, war unter der Bezeichnung Osterwasser bekannt. Dieser einst  heidnische Brauch, der bis ins 19. Jahrhundert hinein rege gepflegt wurde, ist heute fast vollständig in Vergessenheit geraten und wird demnach kaum noch praktiziert. Anno dazumal jedoch schöpften überwiegend die jungen, unverheirateten Frauen das Wasser zu besagter Stunde aus Fluss oder Bach. Auf dem Weg dorthin und zurück durfte nicht gesprochen werden. Auch sollte dies Tun möglichst unbeobachtet bleiben, weil sonst das kostbare Wasser seine Wirkung verlor. Um die heilende, belebende und ewige Jugend und Schönheit spendenden Effekte besser aufzunehmen, badeten die Mädchen in dem fließenden Gewässer.
Eine längere Haltbarkeit sowie keine Fäulnis des Wassers wurde dem Volksglauben nach dem Osterwasser außerdem nachgesagt. Bauern trieben ihr Vieh an die Flüsse und Bäche, damit es gesund, kräftig und vor Schaden bewahrt bliebe. Wasser als Ursymbol des Lebens und der Fruchtbarkeit ansehend, huldigten die Menschen mit diesem Brauch Ostera, der germanischen Göttin von Frühling und Fruchtbarkeit.

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