Osterreiten

Seit Jahrhunderten schon pflegt die katholisch-sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda das uralte Ritual des Osterreitens. Am ostersonntäglichen Morgen wird in den Kirchen der umliegenden Gemeinden der Ostergottesdienst gefeiert. Danach beginnt für die katholischen Männer, in Zylinder und Gehrock gekleidet, hoch zu Ross die Reiterprozession mit dem Umreiten der heimatlichen Kirche.

Hierbei singen sie sorbische, teils auch lateinische und deutsche Kirchenlieder, werden gesegnet und begeben sich dann in die Nachbargemeinde, um mit traditionellem Gesang die Wiedergeburt Christi zu verkünden. Ein solcher Reiterprozessionszug kann bis zu 400 Reiter und Pferde stark sein. Sie alle reihen sich hinter den Fahnenträgern sowie den Trägern des Kreuzes und der Christusstatue ein. Vor dem Ausritt aus dem Heimatdorf und zwischen den beiden Orten beten sie laut. Im Zielort werden die Reiter beköstigt. Vor ihrem Heimritt beten sie gemeinsam mit den Gläubigen der besuchten Gemeinde vor deren Kirche oder dem Friedhof und treten dann die Heimreise an, nachdem sie auch hier vom Pfarrer gesegnet wurden. Die besuchte Gemeinde dankt ihrerseits mit einem Gegenbesuch. Hierbei dürfen sich die Wege der Prozessionszüge nicht kreuzen.
Bereits für das 15. Jahrhundert ist das Osterreiten zwischen Hoyerswerda und Wittichenau belegt. Nach der Reformation in Hoyerswerda 1541 verlegte sich der Festzug von Wittichenau nach Ralbitz und bildet damit heute das älteste noch existierende Prozessionspaar. Mittlerweile nehmen bis zu 1.700 Reiter am jährlichen Osterreiten teil. Die Pferde werden teilweise von weither ausgeliehen und aufwändig mit bestickten Schleifen, frischen Blumen, Muscheln oder auch Metallbeschlägen und geflochtenen Mähnen geschmückt. Seine Ursprünge könnte das Osterreiten bei den Heiden haben, die im Frühjahr ihre Felder als Bittgang umritten, um Schaden von Saat und Ernte abzuwenden.

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