Osterrad

Im Harz, in den österreichischen Alpen und in einigen norddeutschen Ortschaften kennt man den Brauch des Osterrads. Als deutsche Hochburg schlechthin gilt das Städtchen Lügde im Weserbergland, das sich seit 24. Juli 2012 offiziell "Stadt der Osterräder" nennen darf. Kein Wunder, denn hier wird diesem Osterbrauch bereits seit Jahrtausenden, nämlich seit etwa 784 n. Chr., gefrönt.

Bei einem Osterrad handelt es sich um ein bis zu 300 kg schweres Eichenrad, welches, mit Roggenstroh gefüllt, am Ostersonntag bei Dunkelheit von einem Hügel oder Berg ins Tal gestoßen wird. Einer Sonnenscheibe gleichend rollen die Osterräder brennend über Stock und Stein hinab. Obwohl ein heidnischer Ursprung für dieses Brauchtum nicht nachgewiesen werden kann, gehen Vermutungen in Richtung des heidnisch-germanischen Sonnenkultes. Immerhin versinnbildlicht das funkensprühende, züngelnde Feuerrad die Sonnenscheibe und damit den Frühling, der neues Wachstum und Werden verspricht, der den dunklen, kalten Winter besiegt hat und nun neues Leben hervorbringt. In früheren Zeiten sollte das Osterrad außerdem die bösen Geister von den Ackerböden vertreiben und sie so vor Schäden und Missernten bewahren. In Lügde sind es insgesamt 6 Feuerräder, die vom Osterberg herabrollen. Erreichen sie den Fuß des Berges, ohne umzufallen, prophezeit dies den Bauern ein ertragreiches Erntejahr. Vor einem Osterradlauf sind umfangreiche Arbeiten und Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Die riesigen Eichenräder müssen gewässert werden. Das Roggenstroh, oft bis zu 120 kg, muss in Haselnussruten gedreht in das Rad eingeflochten werden und zwar so gewissenhaft, dass das brennende Stroh nicht bereits auf dem Weg ins Tal herausfällt. Nicht zuletzt sorgen Fangzäune und Absperrungen für die nötige Sicherheit.

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