Osterlachen

Weitgehend unbekannt ist heute der christliche Brauch des Osterlachens. Erstaunlich, gehörte er doch traditionell vom 14. bis 19. Jahrhundert fest zur Osterpredigt. Der Geistliche versuchte dabei, die Gottesdienstgemeinde mit Witzen, Anekdoten, Geschichten oder auch Gesten zu herzhaftem und befreiendem Lachen zu bewegen. Was für uns schier unmöglich und vielleicht sogar unangebracht erscheinen mag,

verfolgte durchaus einen ernsten Sinn. Mit dem Osterlachen wurde die Freude Gottes zum Ausdruck gebracht, über den Tod gesiegt zu haben, welcher sich durch die Auferstehung Christi lächerlich gemacht hatte, weil er ihn durch die Wiedergeburt nicht in seinen Fängen halten konnte. Die Gemeinde sollte durch das österliche Lachen außerdem die freudige Botschaft von der Wiedergeburt besser nachempfinden können und die Trauer der Karwoche vergessen machen. Die oftmals vortrefflich in der Predigt versteckten Anekdoten und Geschichten wurden Ostermärchen, mancherorts auch Ostermärlein genannt. Sie wurden zeitweise auch gern verwendet, um sowohl die kirchlichen als auch die weltlichen Obrigkeiten mehr oder weniger versteckt zu kritisieren. Wurde dies noch weitestgehend toleriert, schoben die protestantischen Kirchenobersten dem Osterlachen allerdings dann einen Riegel vor, als Gesten und Worte zunehmend obszöner wurden, was nicht nur den Klerus, sondern häufiger auch Gläubige befremdete. Bereits von Anbeginn, aber besonders in der Hochzeit der Obszönität im 16. Jahrhundert kritisierten Reformierer den Brauch des Osterlachens und forderten einen ernsteren Umgang mit der christlichen Lehre ein. Gemäßigte Geschichten ab dem 17. Jahrhundert konnten nicht verhindern, dass sich die Kirche Ende des 18. Jahrhunderts vollends gegen das Brauchtum stellte. Es sollte noch einmal ein halbes Jahrhundert dauern, ehe das Osterlachen in den Kirchen erlosch. Mittlerweile gibt es erste Versuche, den Brauch des Osterlachens wieder aufleben zu lassen, ganz sacht zunächst.

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